Bericht Brenner des Monats Nov. 2005 - Brennhüsli Abt, Hellikon

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Der trockene Brenner

Das Schnapsbrennen ist André Abts liebstes Hobby. Er betreibt es jedoch so professionell und perfekt, dass man es kaum als Freizeit-beschäftigung betrachten kann, auch wenn er fast ausschliesslich an Wochenenden brennt. Abt nimmt diese Beschäftigung denn auch ernster als seine andern Hobbys: Jodeln, Fahnenschwingen, Volkstanzen oder Geisselklepfen. Gerade hat er sich einen neuen Brennhafen – Brenngeschirr nennt er es – gekauft und dazu einen piekfeinen Brennraum gebaut. Die Geräte aus edelstem Kupfer und Edelstahl, die Brennerei gekachelt und blitzblank wie ein Laboratorium. Man sieht es der Einrich-tung kaum an, dass sie die erste Brennsaison schon hinter sich hat.

„Auch wenn Putzen direkt keinen Ertrag abwirft, zahlt es sich aus“, meint Abt, „bei mir wird der Brennhafen nach jedem Gebrauch sorgfältig gereinigt.“ Auch sonst ist Abt überaus penibel. Seine Frau meint, dass ihr Mann das Sortieren von Brennkirschen sehr genau kontrolliert. „Da kommt kein angefaultes Chriesi ins Maischefass!“ Auch beim Brennen wird genau Acht gegeben. Lieber etwas mehr Nachlauf und dafür etwas weniger Mittellauf als ein Destillat, dem man Nachläufigkeit nachsagen könnte. „Wenn ich brenne, habe ich für nichts anderes Zeit!“ Und Abts Sorgfalt zahlt sich aus. Bereits dreimal - 1999, 2001 und 2005 - hat er bei einer Schnapsprämierung des Schweizer Schnaps Forums den Titel eines „Schnaps des Jahres“ errungen.

Kein Tropfen Alkohol

Lustig ist, dass Abt keinen Alkohol trinkt. „Ich bin halt so aufgewachsen: kein Alkohol, kein Kaffee, kein Tabak. Diese Dinge sagen mir nichts und jetzt im Alter fange ich nicht mehr damit an. Ich halte mich lieber an Süssmost und Tee.“ Auf die Frage, wie man denn als Brenner ohne Probieren zu Rande kommt, meint Abt, dass eine gute Nase genüge. Ein oder zwei Mal nimmt er aber doch den Finger zu Hilfe, den er zur Kontrolle ins Destillat steckt und ableckt. Dass Abt keinen Alkohol trinkt, kann man kaum glauben, wenn man weiss, dass er während 21 Jahren bei der Salmenbräu gearbeitet hat und es bis zum Füllmeister brachte. Um bei seinen Arbeits-kollegen nicht durch seine Abstinenz aufzufallen, habe er jeweils seinen Znünitee in einer Bierflasche mitgebracht, erzählt Abt schmunzelnd.


Alleskönner und Autodidakt

Auf die Bitte seines Schwagers hin habe er seine Stelle bei der Brauerei aufgegeben und mit ihm zusammen 18 Jahre lang den schwiegerelterlichen Landwirtschaftsbetrieb geführt. Wegen Differenzen trennten sie sich wieder. Mit der Hälfte des schwiegerelter-lichen Landes und einem inzwischen ererbten Landwirtschaftsbetrieb arbeitet Abt weiter. „Ich habe immer gerne gebauert, schon als Kind. Kühe habe ich zwar keine mehr, aber ich betreibe Obst- und Ackerbau, eine Lohnmosterei und seit neuestem baue ich Gärten“, lacht er. Besonders Teiche haben es ihm angetan. Das Land vor seinem Haus hat Abt schon als Auslage für den neuen Geschäftszweig hergerichtet. „Ich kann eben fast alles“, meint er, „ich verstehe etwas von Maschinen, ich kann schmieden, Metall und Holz bearbeiten, bauern und brennen.“ Mit Brennen hat André Abt erst vor 10 Jahren begonnen. Auf dem ererbten Hof gab es eine alte Brenneinrichtung. Damit hat Abt die ersten Versuche gemacht. Und er hat Fachbücher gelesen sowie Einmaisch- und Brennkurse besucht.

Erst als er sicher war, das Metier zu verstehen, hat er bei der Kupferschmiede Müller in Oberkirch-Tiergarten, Deutschland, einen neuen Brennhafen bestellt. Dieser wurde Ende letzten Jahres geliefert und Abt ist von ihm begeistert. Als bäuerlicher Brenner darf er nur die Früchte seines Betriebs brennen: Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen und Zwetschgen. Pro Jahr sind es etwa 5 Tonnen. Seine Spezialität ist der „Burgermeister“, ein Kräuterschnaps auf Basis von Apfelbrand. Damit hat er zweimal bei Prämierungen obenaus geschwungen, aber auch mit seinem Kirsch hat er schon einmal gewonnen. Nun überlegt sich Abt, ob er für ausgewählte Kunden im Lohn brennen will. Bisher hat „Bern“ jedoch noch kein Ohr für seine Anfrage gehabt. Nun, was heute nicht ist, kann morgen ja noch werden.

Verkauf

André Abt verkauft seine Produkte alle direkt ab Hof.

Interview und Bilder : H.J. Zehnder

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